Danièle hatte in ihrem Leben schon viele Berührungspunkte mit Menschen aus aller Welt und weiss, wie bereichernd dieser Austausch ist. Schon lange stand für sie fest, dass sie sich nach der Pensionierung im Bereich Migration engagieren möchte. Eine zufällige Begegnung in einem Café brachte den Stein dann früher als geplant ins Rollen: Sie beobachtete zwei Personen, die miteinander Kaffee tranken – eine Person sprach fliessend Deutsch, die andere Person lernte es gerade. Die offene und ungezwungene Atmosphäre gefiel ihr so sehr, dass sie sich fragte: Warum eigentlich bis zur Pensionierung warten?
Freizeit statt Schule
So meldete sie sich, damals noch im Kanton Aargau wohnhaft, bei einem ähnlichen Tandemprogramm an. Später stiess sie nach ihrem Umzug nach Schlieren dann auf «Gemeinsam hier». Als ehemalige Logopädin war für Danièle von Anfang an klar, dass sie keine Sprachtherapeutin mehr sein wollte. Ihr Ziel war es, zu zweit die Freizeit zu verbringen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Danièle schätzt am Programm, dass man das Tandem sehr offen und frei gestalten kann, ohne Druck.

Tandem und Vollzeitjob – geht das?
Danièle hat selbst erlebt, dass sich ein solches Engagement gut mit einem Vollzeitjob vereinbaren lässt. Der Aufwand sei überschaubar, der Gewinn aber gross: «Es ist eine riesengrosse Bereicherung. Oft ist es sogar intensiver als gewöhnlicher Smalltalk unter Freunden. Die Menschen saugen die Sprache und das Zusammensein auf wie ein Schwamm.»
Ausflüge oder einfach gute Gespräche
Danièle hatte bereits zwei Tandems bei «Gemeinsam hier». Mit ihrer Tandempartnerin Nagham war die Rollenverteilung schnell geklärt: Da Nagham Schlieren besser kannte als die neu zugezogene Danièle, übernahm sie oft die Führung. Gemeinsam unternahmen sie Ausflüge und erkundeten die Umgebung.
Mit ihrem jetzigen Tandempartner Manzour geht es etwas ruhiger zu. Hier stehen die Gespräche selbst im Zentrum, ohne grosses Rahmenprogramm. Ganz wie es ihm entspricht. Auch dieses Tandem ist für sie sehr bereichernd, beide lassen einander Raum, wodurch tolle Gespräche auf Augenhöhe entstehen. Das Deutschlernen gelingt dabei ganz nebenbei.

Alle lernen etwas
Im Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen lernt man viel über die Zwischentöne in der Kommunikation. Manchmal sei es gar nicht so leicht zu unterscheiden, ob ihre Tandempartner:innen etwas aus eigenem Bedürfnis tun oder aus einer Dankbarkeit ihr gegenüber. Auch das richtige Mass beim Nehmen und Geben will gelernt sein: «Wenn ich meine Tandempartner zu einem Eintritt oder einem Kaffee einlade, wollen sie mich oft als Dank nach Hause zum Essen einladen – und decken dann gleich den ganzen Tisch voll», schmunzelt sie.
Ein einzelnes Highlight aus ihren Tandem-Jahren herauszugreifen, fällt Danièle schwer. Es sei die Dankbarkeit und die Freude, die man bei den Tandempartner:innen spürt und das Geschenk des Einblicks in eine völlig neue Lebensgeschichte eines anderen Menschen.









